HBZ Brackwede – Fachbereich Bau e.V.
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03.06.2011

Namibischer Hai-Angler sägt im HBZ

... das Westfalen-Blatt schrieb am 31.05.11:

Marco Syvertsen (19) aus Swakopmund/Namibia absolviert seine überbetriebliche Zimmerer-Ausbildung in Brackwede

(WB). Namibia hat unendlich viel Platz, fantastische Naturräume, faszinierende Kulturen, gutes Wetter und deshalb eine große Anziehungskraft auf Besucher aus aller Welt. Die Baubranche boomt, doch ausgerechnet an qualifizierten Handwerkern mangelt es. Marco Syvertsen aus Swakopmund, der heute 19 Jahre alt wird, hat die Chance erhalten, sich in Deutschland zum Zimmerer ausbilden zu lassen.

Seit November 2010 verbringt er die meiste Zeit seines noch jungen Berufslebens im Brackweder Handwerksbildungszentrum (HBZ). Dort absolvierter seine überbetriebliche Ausbildung. Über den freiberuflichen HBZ-Dozenten Klaus Winkler, der sich in Namibia auskennt, und Edgar Schlaeger vom Verler Tore-Hersteller Teckentrup kam er an den Ausbildungsvertrag mit der Zimmerei Brüggenjürgen in Rietberg-Westerwiehe. Während der ersten Monate hat er dort bereits dabei geholfen, Dachstühle zu bauen, Wände zu vertäfeln und Fachwerk zu sanieren. »Marco ist sehr motiviert, Man merkt, dass er was erreichen will«, sagt Junior-Chef Hubert Brüggenjürgen über seinen exotischen Schützling. Etwas erreichen will auch der namibische Zimmerermeister Horst Weimann, Chef des Meisterbetriebes Weimann's Carpentry in Swakopmund: Er hat seinem besten Praktikanten Marco den qualifizierten Berufseinstieg im 10 000 Kilometer entfernten Ausland erst ermöglicht, um ihn nach drei Jahren in deutscher Obhut als versierten Handwerker in Namibia einzustellen.

Einen ähnlichen Werdegang nahm der heute 42-jährige selbst - und beschäftigt inzwischen 20 Mitarbeiter. »Wir haben bei uns keine so tollen Ausbildungsstätten wie Ihr in Europa«, moniert er. »Unsere erreichen höchstens 20 Prozent des deutschen Niveaus. Sie vermitteln nicht viel mehr als eine berufliche Grundbildung.« Lobhudeleien dieser Art gehen runter wie Öl bei HBZ-Chef Klaus-Werner Schäfer, der dem jungen Namibier gerne das vielfältige Angebot der Bildungseinrichtung zur Verfügung stellt. »Das System der Handwerkszünfte wird in Afrika sehr hoch geschätzt«, sagt er. »Da ist man überzeugt von den Strukturen, die sich in Europa über Jahrhunderte entwickelt haben.« Marco Syvertsen zeigt sich dankbar dafür, dass er nach seinem Schulabschluss, der dem deutschen Abitur entspricht, jetzt in der Ausbildung unter fachkundiger Anleitung kräftig zupacken darf: »Ich könnte niemals im Büro sitzen und etwas aufschreiben«, betont er. »Ich muss mit meinen Händen richtig was arbeiten.«

Der 19-jährige ist Sohn einer deutschen Apothekerin und eines namibischen Lehrers mit deutschen Wurzeln. Er spricht nahezu akzentfrei Deutsch, wie viele Namibier. Das liegt an den Spuren, die das deutsche Reich dort bekanntlich hinterlassen hat. Nun ist er also im kühlen Deutschland angekommen, hat hier seinen ersten Schnee gesehen und vor allem im Januar/ Februar bitter gefröstelt. Probleme bereitet ihm noch die Orientierung im Straßenverkehr, denn sein erster Blick geht gewohnheitsmäßig Richtung Sonne und nicht auf irgendwelche Schilder. Doch der Weg der Sonne ist auf der Nordhalbkugel ein anderer, und so kann sich ein Naturbursche wie Marco schon mal verlaufen. In seiner Heimat ist er begeisterter und erfolgreicher Brandungsangler, hat an den Atlantikstränden nördlich von Swakopmund schon manch einen kapitalen Hai aus dem Wasser gezogen: »Mein größter wog 156 Kilo. Der Kampf hat fünfeinhalb Stunden gedauert «, berichtet er stolz. »Kleinere Haie ködern wir mit Makrelen oder Tintenfisch. Der weiße Hai geht am besten auf Thunfisch.« In Teichen zu angeln, wie hierzulande üblich, reizt ihn dagegen gar nicht. Da würde er den Kampf vermissen. Lieber geht er Rugby spielen oder kauft sich Pfeil und Bogen. Wäre für ihn ein Leben in Deutschland vorstellbar? »Auf keinen Fall. Deutschland ist zu eng, zu laut und zu stressig. Es fehlen die Orte, an denen noch niemals ein Mensch war.«

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