HBZ Brackwede – Fachbereich Bau e.V.
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11.06.2012

Austauschprogramm für Handwerker

Das schrieb die Neue Westfälische am 25.05.2012:

Was Auszubildende aus dem Handwerksbildungszentrum Brackwede in Frankreich lernten

Nach der Lehre ist die Ausbildungszeit noch lange nicht vorbei. Diese Erfahrung machten angehende Zimmerleute im Handwerksbildungszentrum Brackwede (HBZ), die an einem Austauschprogramm teilgenommen und drei Wochen in Frankreich verbracht haben.

Seit 15 Jahren organisiert das HBZ Auslandsaufenthalte, hat Auszubildende schon nach England oder Ungarn geschickt. Seit zwei Jahren gibt es eine Partnerschaft mit der Handwerkerbruderschaft „Les Compagnons du Devoir". „Mitfahren können nur die Besten aus dem zweiten Lehrjahr, denn die Compagnons stehen dafür, die Elite unter den Handwerkern auszubilden", sagt Jennifer Birke, Verwaltungsleiterin im Handwerksbildungszentrum.

Das Programm wird vom deutsch-französischen Sekretariat, einer Austauschorganisation, gefördert und durch das Leonardo-Programm des Bundesbildungsministeriums unterstützt. Jeweils drei Wochen lang fahren 15 bis 16 Azubis aus OWL nach Marseille; genauso viele Lehrlinge kommen im Gegenzug für drei Wochen nach Bielefeld.

Andere Kulturen kennenzulernen, sich persönlich und beruflich zu entwickeln, das ist das Ziel. „Wir bieten auch einen Sprachkurs und stellen Dolmetscher, doch auf den Baustellen müssen die jungen Leute dann selbst zurecht kommen", sagt Birke.

Denn neben den Stadtführungen und Kulturprogramm steht für die Teilnehmer in Bielefeld ebenso wie in Marseille vor allem eines vorne an: erfahren, wie im jeweils anderen Land gearbeitet wird. In beiden Städten sind die Gruppen zwar jeweils gemeinsam untergebracht - im Gästehaus des HBZ und im Wohnheim der Compagnons - tagsüber arbeiten sie jedoch für unterschiedliche Firmen. Mehr als Kost und Logis bekommen sie während ihres Gastaufenthalts nicht.

Erst vor kurzem ist eine Gruppe aus Marseille zurück gekommen. „Einige haben sich vorgenommen, nach der Lehre für ein Jahr nach Frankreich zu gehen", berichtet Michael Hesse, Ausbilder und Meister im HBZ, der die jungen Austauschhandwerker begleitet hat.

Die Unterschiede seien größer als erwartet: Drei Jahre lernen Zimmerer in Deutschland, arbeiten in Betrieben, haben Theorie in der Berufsschule, zudem eine überbetriebliche praktische Ausbildung. „In Frankreich gibt es keine duale Ausbildung, da gehen die Jugendlichen mit 15, 16 Jahren in die Lehre, die dauert zwei Jahre und dafür muss Lehrgeld bezahlt werden", so Hesse.

Wer bei einem Mitglied der Compagnons sein Handwerk lernt, muss früh zeigen, was er will. „Die fangen zwar erst um 10 Uhr an, arbeiten dafür aber bis 20 Uhr. Und nach dem Abendbrot geht es oft noch bis nach Mitternacht in der Werkstatt weiter", berichtet der Meister.

Wer sich bewährt und anschließend auch noch eine halbjährige Probezeit besteht, wird von den Compagnons auf eine spezielle Tour de France geschickt: Sechs Jahre lang ziehen die jungen Gesellen durchs Land, sind in den Gästehäusern der Vereinigung untergebracht, wo auch Schulungen organisiert werden und arbeiten in verschiedenen Unternehmen. „Freizeit und Familie bleiben da außen vor, die kennen nur ihren Beruf", erzählt Hesse. „Aber nachher sind die so was von fit ..."

Der Lohn: „Wer bei den Compagnons ist, wird nie mehr arbeitslos. Die haben einen Pool von Betrieben, die Handwerker suchen. Wer einen neuen Job braucht, hat am nächsten Tag wieder Beschäftigung. Aber flexibel muss man schon sein", so Hesse.

Die Azubis, die beim Austausch mitmachen, bekommen ein Zertifikat und einen Europapass. „Darin wird genau bescheinigt, was sie gemacht haben. Der Pass ist seit 2000 länderübergreifend anerkannt. Das hilft bei einer späteren Bewerbung im Ausland", sagt Birke.

Für die Zukunft will das HBZ auch Austauschprogramme für Maurer organisieren. Ein weiterer Partner in Österreich ist schon in Sicht.

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